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Vierzehn Turnerkameraden machten sich am Samstagmorgen, 16. Juli 2011 auf den Weg ins Gantrischgebiet. Marc und Ralph Sommer führten die Gruppe an und organisierten die 2-tägige Turnerreise in gewohnt souveräner Manier.

Mit vier Fahrzeugen fuhren wir am Samstagmorgen um 8 Uhr bei schönem Wetter los. Den ersten Zwischenhalt machten wir bei Patricia und Ralph Sommer in Kaufdorf. Im idyllischen Garten stärkten wir uns mit Kaffee und Gipfeli. Danke nochmals für die Gastfreundschaft.

Danach nahmen wir mit den Fahrzeugen den steilen Aufstieg auf den Gurnigel in Angriff. Für den Range Rover von Ralph wurde dies zum Härtetest (nicht zum letzten Härtetest, wie sich später noch herausstellen sollte). Der Range Rover hatte schon während der Anreise von Madiswil nach Kaufdorf einige Aussetzer. Der Anstieg setzte dem Wagen zu und knapp unterhalb der Passhöhe war nicht sicher, wer zuerst oben sein würde: der Range Rover oder der Mountain-Biker, der sich von hinten dem Auto näherte.

Bei Sangernboden liessen wir die drei Fahrzeuge stehen und starteten unsere Wanderung. Ralph übernahm den Bus und fuhr direkt zur Sennhütte, um einige Vorbereitungen zu treffen (und die Bierchen kühl zu stellen). Sangernboden liegt auf 997 m.ü.M.. Unterwegs machten wir einen Rasthalt und glücklich war, wer eine Zwischenverpflegung dabei hatte. Den Bergpreis erreichten wir ca. 2 Stunden später auf dem Horbülpass auf 1575 m.ü.M.. Dazwischen führte der Weg über Weiden hinauf zur Krete mit einem atemberaubendem Ausblick. Nordwärts erkannten wir die Stadt Fribourg, die Silos von Düdingen, die drei Seen (Neuenburger-, Murten- und den Bielersee) und die Jura-Kette mit dem Chasseral. Vom gleichen Standort aus südwärts hatten wir einen Blick auf den Schwarzsee, den Gantrisch und die Berner- und Freiburger Alpen.

Vom Horbüelpass wählten wir die Traverse, um auf den weiterführenden Wanderweg zu gelangen. Bei Sonnenschein und blauem Himmel wanderten wir abwärts zur gut ausgebauten Sennhütte, die unweit des Otenleuebads liegt. Die Uhr zeigte mittlerweilen 16 Uhr und die Vorfreude auf ein kühles Bier wuchs. Da war sie: die Sennhütte. Am Südhang gelegen, inmitten von grünen Alpweiden. Ralph hatte das Material zur Hütte transportiert. Schnell einen Festbank aufgestellt und mit den gekühlten Flaschen prosteten wir uns zu.

Nach dem kühlen Bierchen bereiteten wir zuerst das Nachtlager vor, erfrischten uns bei einer kühlen Dusche oder machten es uns auf der Terasse gemütlich. Derweil bereiteten vier Turnerkameraden das Nachtessen vor. Ob man das Brot für das Fondue schneiden müsse oder ganz einfach wie unsere welschen Landsleute mit der Hand brechen? Wir beliessen es bei der deutschweizerischen Variante und schnell waren vier grosse Brotkörbe voll und bereit für das Fondue. Die herrliche Fonduemischung von Hanspeter Wyss mundete und es ist nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere Turnerkamerad einen kleinen Nachschlag verwehrt hätte.

Beim Kartenspiel verflog die Zeit nach dem Nachtessen. Im Hintergrund lief ein kleiner Fernseher und wir konnten die Saison-Premiere YB-Basel mitverfolgen. Unentschieden gibt es beim Jassen nicht und beim 31iger schon gar nicht. Ralph Sommer und Walter Marending dominierten hier. Da half alles Taktiern der Turnerkameraden nichts. Am Rotwein zumindest lag es bestimmt nicht.

Mit einem Appenzeller-Schlummertrunk verabschiedeten sich die ersten zur Nachtruhe. Andere blieben noch und einzelne, die hier natürlich namentlich nicht genannt werden, schliefen gerade auf dem Stuhl ein (gewollt oder ungewollt). Obschon wir etwa auf 1200 m.ü.M. übernachteten, waren die Nachttemparaturen sehr angenehm. Draussen wehte zwischendurch ein starker Wind. Ob die Nachtruhe von einem kleinen Schnarch-Konzert begleitet wurde, entzieht sich dem Schreibenden. Müde bin ich, geh zur Ruh...

Leise trommelt der Regen auf dem Dach der Sennhütte. Und das schon um 7 Uhr. Der Sonnenaufgang und der Wetterumschlag blieb nur den wenigen "Ganz-Frühaufsteher" oder den "Ich-konnte-nicht-mehr-schlafen"-Kollegen vorbehalten. Es regnete. Es regnete fester. Und es blieb beim Regen. Es war beinahe windstill und die Regenwolken verdeckten die Voralpenkette. Wir erlebten am zweiten Tag ein weiteres Naturschauspiel. Bei Grau in grau und ziemlich starkem Regen war dann die Lust auf die Talwanderung nicht sehr gross. "Einem echten Bergwanderer öffnet sich bei diesem Wetter das Wander-Herz", meinte Hans Minder. Aber Marc Sommer hatte bereits eine gute Idee. Der Plan B lautete: die Autos im Tal holen, einladen und zum Mittagessen ins Emmental fahren.

Und da war noch der eigenwillige Engländer. Würde er den Härtetest bestehen? Würde er den Bountain-Bikern Paroli bieten? Würden wir mit dem Range Rover triumphal in Madiswil einfahren, begleitet von Fahnen und Trompeten? Nein. Kurz vor dem Weiler Rüthi b. Riggisberg verliessen den Range Rover die Kräfte. Aus und fertig. No british fighting spirit. Wir mussten den Wagen auf dem grossen Parkplatz abstellen, das Material umladen und in den übrigen Fahrzeugen zusammenrücken.

Die Bilanz der kurzen Regen-Wanderung rund um die Kirche in Worb war ernüchternd. Drei Wirtschaften am Sonntag geschlossen und ein Beiz, die auf 14 hungrige Turner nicht vorbereitet war. "Manne, mir si es Café". Im "staubigen Esel" (Rössli) in Schafhausen stillten wir unseren Hunger. Und wie gewohnt im Emmental: netter und aufgeschlossener Service, gute und währschafte Küche und die sind auf 14 hungrige Turner vorbereitet. "We jede säuber öppis bstellt, chönnt es de chli länger ga".

Dann folgte die Einfahrt in Madiswil. Es regnete immer noch. Keine Fahnen, keine Trompeten. Und auch kein Engländer. Der Range Rover fristet sein Dasein vorübergehend im Gantrisch-Gebiet.

Der Dank der Turnerschar geht an Marc, Patricia und Ralph Sommer für die Organisation und Gastfreundschaft! Das Gesellige stand im Mittelpunkt. So musste es sein. Hoffentlich auch bei der nächsten Turnerreise im Sommer 2012.


Turnerreise 2011 mit:
Marc und Ralph Sommer (Organisation), Christoph Ammann, Edwin Brändli, Heinz Flückiger, David Geiser, Markus Heller, Jürg Leuenberger, Christian Lüthi, Walter Marending, Hans Minder, Ralph Schadt und Urs Rutschmann.

Text/Bilder: Klaus Lüthi