Lange war nicht klar, ob die 5. Runde, und gleichermassen auch unsere Heimrunde, durchgeführt werden konnte, da sich die Wettervorhersagen während der Woche täglich änderten. Am Freitagabend wurde jedoch der Entscheid gefällt, dass die Runde doch stattfinden wird.

Kurz vor Spielbeginn gegen Pieterlen, um ca. 12:00 Uhr, gab es in der ganzen Schweiz eine kleine Gewitterzelle, welche sich tatsächlich über Madiswil befand und sich auch bei uns entleerte. Der Spielbetrieb und Anpfiff musste um rund 15 Minuten unterbrochen resp. verschoben werden, da der Regen zu intensiv war um Korbball spielen zu können. Nachdem sich Petrus aber wieder beruhigt hatte, wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Pieterlen – Madiswil 8:11 (5:7)

Das erste Spiel des Tages war ebenfalls auch der aktuelle Spitzenkampf der Nationalliga A. Gegen den aktuellen Tabellenführer aus dem Seeland hatten wir eigentlich nichts zu verlieren. Wir fühlten uns fit und vorbereitet um dieses Spiel vor heimischen Publikum zu spielen.

Von der ersten Minute an spürte man, dass wir mental fitter in die Partie starteten als auch schon. Unsere Verteidigung funktionierte und im Angriff agierten wir ideenreich und laufbereit. Wir konnten in der Startphase offensiv gut vorlegen und waren mit jeweils 0:1 und 1:2 in Führung bevor Pieterlen mit 3:2 den Lead kurz übernahm. Dieses 3:2 war das einzige Mal, dass Pieterlen in diesem Match führte, denn wir drehten diesen Rückstand schnell wieder in einen Vorsprung und führten zur Halbzeit mit 5:7. Was für ein Spiel! Während wir unser wahrscheinlich bestes Korbballspiel der Saison (wenn nicht sogar der letzten Jahre) zeigen konnten, wirkte unser Gegner ein wenig plan- und orientierungslos, was man eigentlich von dem mehrfachen Schweizermeister gar nicht kannte. Elektrisiert von unseren ersten 20 Minuten des Spiel versuchten wir diese Dynamik in die zweite Halbzeit mitzunehmen. Die ersten paar Minuten gelang uns das leider nicht. Da wir aber defensiv überzeugen vermochten, konnte Pieterlen unsere schwachen Minuten nicht zu ihren Gunsten nutzen. Wir spürten, dass jetzt etwas zu holen sei. Würden wir Pieterlen besiegen, wären wir in der Tabelle nur noch einen Punkt hinter ihnen. Und so geschah es, dass wir uns sogar einer drei-Körbe-Führung erspielen konnten. Und auch die Tatsache, dass wir uns drei Zweiminutenstrafen kassierten, jedoch auch da verhältnismässig souverän spielten, gab uns Mut, Zuversicht und eine Motivation, die förmlich zu spüren war. Die Seeländer fanden in diesem Spiel irgendwie nicht das richtige Rezept um uns defensiv und offensiv zu stoppen. Es gelang uns fast alles. Das 6:10 war dann das bisher Höchste der Gefühle. Wir liessen nicht mehr nach. Jeder ackerte sich in den letzten Minuten ab. Diesen Sieg mussten wir nach Hause bringen. Und tatsächlich: Das Schlussresultat fiel 8:11 zu unseren Gunsten aus. Unfassbar. Was dieses Spiel und dieser Sieg für uns bedeutete sah man in unseren Gesichtern. Wir hatten das noch ungeschlagene Pieterlen besiegt - schon das Unentschieden in der Vorrunde war ein Riesenerfolg für uns - ein Sieg gegen dieses routinierte, abgeklärte und hervorragende Team repräsentiert den grössten Erfolg für unsere Mannschaft dieser Saison. Unfassbar.


Madiswil – Neuenkirch 20:10 (10:6)

Wer sich das Schlussresultat betrachtet, kann sich vorstellen wie das Spiel von statten ging. Bis zum Stand von 5:4  schien die Partie noch ausgeglichen. Anschliessend wurde es zu einem kleinen offensiven Feuerwerk unsererseits. Im Angriff gelang uns nun schlichtweg alles und Neuenkirch fand verteidigungstechnisch kein Mittel dagegen. Der Halbzeitstand von 10:6 könnte eigentlich auch einem Schlussresultat entsprechen. Und das - für uns - Schöne war, dass wir im Flow blieben und uns fast schon in einen Rausch spielten: 12:6, 14:7, 16:8, 18:10, 20:10. 20 erzielte Körbe in einem NLA Spiel, das ist wahrlich, zumindest für uns, eine erfreuliche Seltenheit. Neuenkirch wehrte sich lange Zeit und versuchte im Spiel zu bleiben, aber es gelang ihnen nicht. Und es schien als hätten sie sich in den letzten zehn Minuten des Spiels aufgegeben. Ihre Angriffe liefen hauptsächlich nur noch über einen Spieler ab, welcher zu ihrem Leidwesen nicht seinen besten Tag einfuhr. Anders war es bei uns: Sieben von neun Spielern konnten sich Körbe gutschreiben lassen.

Wir konnten unsere bemerkenswerte Leistung aus dem vorangehenden Spiel bestätigen und uns weitere zwei Punkte gutschreiben lassen.


Madiswil – Bachs 10:9 (4:6)

Die Zürcher hatten unterdessen, wie wir auch, Pieterlen geschlagen. Das hiess für uns: Nach Verlustpunkten waren wir zwischenzeitlich auf dem ersten Platz. Der Stärke von Bachs waren wir uns aber mehr als bewusst. Nicht ohne Grund gehören sie seit ihrem Aufstieg zu den besten Mannschaften der Liga. Dank ihrer Kadertiefe sind sie offensiv sicherlich die unberechenbarste Mannschaft der NLA. Ob nun Kurz-, Mittel- oder Langdistanzschützen, Bachs hat sie alle. Und auch ihre Defensive funktioniert wie ein gut geöltes Räderwerk. Sie stehen kompakt und lassen in Korbnähe nicht viel Bewegungsfreiraum.

Das 1:0 war für sehr lange (!) Zeit unser letzter Vorsprung. Bachs übernahm schnell das Zepter des Spiels und agierten entsprechend souverän. Wir konnten über weite Strecken bestenfalls nur mithalten, aber nie richtig vorlegen. Erzielten wir den Ausgleich, legten sie im darauffolgenden Angriff wieder vor. Es war für uns schon fast zermürbend, spielten wir in den zwei vorherigen Partien so wunderschönen Korbball. Bachs liess nicht zu, dass wir ins Spiel fanden. Mit dem Halbzeitpfiff lagen wir mit 4:6 zurück. Was nun? Wir mussten an unsere Stärken glauben und uns mit Kampf ins Spiel verbeissen. Es war mental eine grosse Herausforderung für uns den Kopf nicht hängen zu lassen. Tatkräftige und frenetische Unterstützung bekamen wir aber vom heimischen Publikum. Während dieses schwierigen Spiels trugen uns die aufbauenden Zusprüche der Zuschauer. Jeder kleine Erfolg, und war es auch nur ein Ballgewinn unter dem eigenen Korb, wurde mit tosendem Applaus belohnt.

Und obwohl beim Stand von 6:9 und mit nicht mehr allzu viel Zeit auf der Uhr schon vieles verloren schien, kämpften wir weiter. Eine Eigenschaft, die uns diese Saison schon das eine oder andere Mal ausgezeichnet hat. Und wir sollten dafür belohnt werden. Es schien als fehlte Bachs in den Schlussminuten die Substanz und, dass die Kräfte langsam schwanden. Wir konnten diese kurze Schwächephase unseres Gegner nutzen und kamen dem Ausgleich nahe (7:9, 8:9). Von wegen "nahe". Tatsächlich erzielten wir in der zweitletzten Minute des Spiels den Ausgleich. Unglaublich. Und nicht nur das! In der letzten Minute des Spiels konnten wir den 10:9-Führungstreffer erzielen. Schlusspfiff. Während 38 Minuten des Spiels waren wir in Rücklage (oder bestenfalls war unentschieden). Wir führten nur in der ersten und der letzten Minute des Spiels. Wiederum konnten sich sieben unserer neun Spieler Körbe gutschreiben lassen. Ein extrem kräfteraubender und mental fordernder Kampf wurde mit einem Sieg belohnt.

 

6 Punkte... 6 Punkte... Das Punktemaximum... Das Punktemaximum aus Spielen gegen Pieterlen, Neuenkirch und Bachs... Wie verrückt ist das?! Der Freudentaumel war riesig und die Emotionen, die in uns hochschossen einfach nur überwältigend. Wir grüssen von der Tabellenspitze. Der heutige Tag war eine Symphonie des Korbballs, ein Gedicht mit Höhen und Tiefen und beste Werbung für den Sport, den wir alle so lieben.

Es ist verlockend an dieser Stelle und uns mit Lobeshymnen zu berieseln, doch das wäre einerseits vermessen und andererseits vorschnell und naiv. Es sind nach wie vor drei Spiele zu spielen. Ein Sechstel der Saison liegt noch vor uns und mit Altnau-Kreuzlingen haben wir noch unseren einzigen Bezwinger der Vorrunde als Gegner.

Wir dürfen uns diskussionslos über unsere fantastische Leistung freuen, aber in überschwängliche Euphorie auszubrechen wäre alles andere als clever. Nun gilt es den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen, sich zu fokussieren und sich auf die nächsten Gegner einzustellen. Wir haben uns eine sehr gute Grundlage vorgelegt - die Spitzengruppe ist aber so nahe beieinander, dass noch immer alles offen ist. Edelmetall ist noch lange nicht sicher. Dafür müssen wir uns noch einmal ins Zeug legen. Let's go!